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Jakobsweg Albergaria a Velha: Etappe 11 – Agueda nach Albergaria a Velha
Azulejos auf dem Pilgerweg

Jakobsweg Albergaria a VelhaNach einer nicht so guten Nacht, meine Magen-Darm-Grippe hat mir sehr zu schaffen gemacht, lacht am Morgen wieder die Sonne vom fast wolkenlosen Himmel, aber die kühlen Temperaturen lassen den nahen Herbst ahnen.

Doch recht kraftlos bin ich froh um die heutige kurze Etappe von siebzehn Kilometern, die auch sonst nicht hohe Ansprüche stellt. So mache ich mich in aller Ruhe fertig und marschiere erst um halb zehn los. Gleich treffe ich ein Ehepaar aus Belgien, welches auch den Jakobsweg Camino Portugués bis Santiago geht, aber in Fatima begonnen hat. Da die beiden sehr schnell unterwegs sind, verabschiede ich mich ersteinmal, aber man trifft sich ja immer wieder…

Entlang dem kleinen Flüsschen Agueda geht es hinaus aus dem Städtchen, ein Höhenzug ist zu erklimmen und nach einigen Kilometern gelange ich in das Strassendorf Vila de Mourisca Do Vouga, wo zerfallene Villen von dem Reichtum alter Zeiten zeugen.

Auffallend sind hier wieder die reichen Verzierungen mit den berühmten Azulejos. Der Name “Azulejos” stammt nicht von azul = blau ab, sondern ist aus dem arabischen von Al Zulaij, was kleiner polierter Stein bedeutet, abgeleitet. Ursprünglich fand man die Fliesen im persischen Raum, sind aber als Hinterlassenschaft der Mauren auf die iberische Halbinsel gekommen. Die Technik der Herstellung hat sich ebenso wie die Gestaltung im Laufe der Jahrhunderte stark verändert. War früher Andalusien führend in der Herstellung von Azulejos ist heute Portugal Hauptproduzent. Zu Beginn wurden die kunstvoll gestalteten Fliesen hauptsächlich zur Gestaltung der Innenräume benutzt, später konnten sie durch neue Techniken auch aussen an den Häusern verwendet werden und dienten bzw. dienen auch noch heute zum Teil als komplette Fassade. Die traditionell blau gehaltenen Kacheln kamen erst Anfang des 18. Jahrhunderts in Mode und lehnten sich im Design an chinesisches Porzellan und die bekannte, niederländische Kachelmalerei aus Delft an.

Vorher machten sich arabische und durch die Kolonialzeit Eindrücke aus Indien, China, Japan und Südamerika bemerkbar. Was für uns Ausländer immer wieder sehenswert ist, wird leider vielerorts nicht erhalten, da der Unterhalt der Fliesen in den Innen- und Aussenräumen grossen finanziellen Aufwand bedeutet. Durch die wunderschöne Architektur inspiriert, geht diese kurze Etappe auf dem Pilgerweg schnell zu Ende und ich stehe auf dem Hauptplatz des kleinen Örtchens Albergaria a Velha, treffe auch mein belgisches Ehepaar wieder, die im Zentrum in einem kleinen Hotel übernachten. Von dem sehr zuvorkommenden Patron dieses Hotels lasse ich mich nach einem kleinen Stadtrundgang zu dem etwas ausserhalb gelegenen Motel mit Internetanschluss fahren und geniesse dort die Ruhe eines Spätsommernachmittages. Morgen stehen wieder knapp dreissig Kilometer an und so muss ich noch neue Kräfte generieren für die nächste Etappe auf dem Pilgerweg …

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