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Jakobsweg Rubianes: Etappe 17 – Ponte de Lima nach Rubianes
Weg aus der Einsamkeit

Jakobsweg RubianesHeute liegt nur eine kleine Etappe von gut siebzehn Kilometern auf dem Jakobsweg Camino Portugués vor mir. Also  genügend Zeit, in Ruhe zu frühstücken und noch die letzten Emails zu versenden.

Der Wettergott zeigt sich ein weiteres Mal gnädig und der Tag beginnt wieder mit den üblichen Hochnebelwolken. Noch ein kleiner Gang durch das hübsche Städtchen, dann über die alte Brücke und nach wenigen hundert Meter hat mich eine wunderschöne Herbstnatur verschluckt.

Die wenigen Pilger, die ebenfalls unterwegs sind, verlieren sich schnell bei doch unterschiedlichen Gehtempo und so habe ich den wunderbaren Weg durch die Weinberge für mich alleine. Bei der kurzen Strecke kann ich mir Zeit lassen und die Schönheit des frühen Herbstmorgens in vollen Zügen geniessen. Nach acht Kilometern erreiche ich  mit einer Gruppe von Fahrradpilgern zusammen ein kleines Cafe und stärke mich mit einem gutem Kaffee und Sande con Queijo. Gestärkt kommt nun das schönste Stück des bisherigen Pilgerweges: Ein kleiner Pfad führte weg von der Zivilisation den Berg steil hinauf, von Zeit zu Zeit passierte ich die alten Steinkreuze, an denen die Pilger im Laufe der Jahre Hunderte von Steinen als Symbol für Gebete und Wünsche hinterlegt haben, ansonsten ist nichts anderes als Wälder mit Kiefern, Eukalyptusbäumen und Heide um mich herum.

Nachdem ich die Höhe von 450 Metern geschafft habe, geht es bergab und ich erreiche am frühen Nachmittag die Pilgerherberge. Die ist schon gut gefüllt, aber ich finde noch in dem Schlafsaal mit 17 Stockbetten (= 34 Personen) noch ein Bett in Fensternähe, richte mich ein und bin gespannt auf die Nacht unter vielen. Das Wetter verschlechtert sich zunehmend, aber ich gehe noch in ein nahe gelegenes Cafe für ein Abendessen. Nach meiner Rückkehr geselle ich mich zu dem Kreis von deutschen und französischen Pilgern, die bei einer oder zwei Flaschen Wein zusammensitzen und sich Geschichten über den bisherigen Jakobsweg Camino Portugués erzählen.

Zwei Männer aus der Kölner Ecke sind in Faro gestartet und haben fast den ganzen Pilgerweg zu Fuss geschafft, die meisten sind aber doch erst in Porto gestartet und auf unterschiedlichen Weg bis zu dieser Pilgerherberge gekommen. Eine junge Frau versucht auf diesem Weg Klarheit in ihre Partnerschaft zu bekommen, andere sehen es als eine Art Aktivurlaub, andere haben sich einfach das Ziel gesetzt, diesen Weg zu schaffen. So werden die erlittenen Leiden bei einer Flasche Wein miteinander geteilt und mit der nötigen Bettschwere kann auch mich der leicht muffige Schlafsaal nicht mehr schrecken…..

Weitere Informationen auf unserer Website.

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