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Jakobsweg Santiago: Etappe 23 – Padron nach Santiago
Glücklich durch den Regen

Jakobsweg SantiagoJa, heute bricht die letzte Etappe meiner langen Wanderung durch Portugal und Nordspanien über den Jakobsweg Camino Portugués an. Noch ist es nicht ganz glaubhaft, aber als ich am Morgen meinen Rucksack packe, wandern schon ein paar Socken, die ihren guten Dienst geleistet haben, in den Mülleimer.

Das Wetter zeigt sich so wie befürchtet: Noch während ich packe prasselt der erste heftige Regenschauer auf das Vordach und richtig hell werden will es auch nicht. Die letzten Kilometer auf dem Pilgerweg vor Augen und mit einem unglaublichen Gefühl von Freude und Erleichterung mache ich mich dann auf den Weg. Die ersten Kilometer sind noch recht trocken, aber nach meinem verspäteten Frühstück nach fünf Kilometern bin ich wieder froh, meinen Poncho und meinen Hut zu haben.

Ich mag zwar aussehen wie ein verlorener kleiner Pilger, aber unter diesem Regenschutz bleibe ich doch halbwegs trocken. Der heutige Weg meandert immer wieder um die Nationalstrasse 550 herum, bietet aber doch zwischendurch schöne Abschnitte durch verwinkelte kleine Dörfer, wunderbare Laubengänge aus Weinreben und kurze Abschnitte durch den mir schon so gut bekannten Eukalyptuswald. Ich geniesse den Tag trotz des zunehmenden Regens, meine Schuhe sind auch nach fünfzehn gelaufenen Kilometern nicht mehr trocken, aber das Ziel ist jetzt so nah.

Die eingeplante Pause nach zehn und/oder fünfzehn Kilometer fällt leider wegen geschlossener Bar aus, aber da es nur noch acht Kilometer bis zum Ziel sind und ich noch ein paar Kekse im Rucksack habe, beschliesse ich bis Santiago durchzulaufen. Die letzten Kilometer auf dem Jakobsweg Camino Portugués werden dann noch einmal etwas schwerer, da der Regen noch zu einer Steigerung greift und es durch einen sehr nassen Weg bergauf geht. Die Zahl der Pilger nimmt langsam zu und die Stadt kommt immer näher. Die letzten zwei Kilometer geht es dann durch die Vororte von Santiago bevor dann endlich die Altstadt und nach wenigen hundert Metern auch die Kathedrale erreicht wird.

Es erfasst mich bei dem imposanten Bau und nun endlich am Ziel meiner Reise eine tiefe Freude und Befriedigung, die auch durch den Regen, der immer stärker fällt, nicht getrübt werden kann. Da auf Grund verschärfter Sicherheitsvorkehrungen ein Besuch der Kathedrale mit einem Rucksack nicht mehr möglich ist, entschliesse ich mich, zuerst in mein Hotel zugehen und nach einer warmen Dusche und einem guten Essen am Abend noch einmal mein Glück zu versuchen. Morgen werde ich auf jeden Fall die Mittagsmesse um zwölf Uhr besuchen und mich dann auf den Heimweg machen. Es war eine wunderbare Reise, die mir viel Zeit und Ruhe gegeben hat.

Weitere Informationen auf unserer Website.

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