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Fit für den Jakobsweg?

Wer eignet sich für den Jakobsweg?

Diese Frage ist eigentlich schnell beantwortet – jeder! Na gut, so einfach wollen wir es uns nun doch nicht machen. Aber grundsätzlich gilt: Alles was zwei Beine hat und mehr als 5 km am Stück wandern kann, ist vom Prinzip her in der Lage, den Jakobsweg in Spanien und Portugal zu pilgern. Ausreden gelten nicht. Natürlich ist es von Vorteil, wenn man ein guter Wanderer ist und sich gerne bewegt. Aber auch für alle anderen gilt: Wagen Sie es, es wird Ihnen gut tun. Und ob Sie fit für den Jakobsweg sind, ist nicht nur mit der Frage nach der körperlichen Fitness abgegolten. Vergessen Sie alles, was Sie bisher über das Wandern von langen Wegstrecken gehört haben. Statements wie: „Man muss fit und gut trainiert sein!“ oder “ Nur extrem gute Wanderer erreichen das Ziel!“ sind einfach falsch.
Allerdings kann und muss jeder seinen persönlichen Weg finden, auch, wenn man wirklich nur 5 km am Tag pilgert – was wiederum eher unwahrscheinlich ist, da die Fitness von Tag zu Tag zunimmt, man sich physisch und mental immer besser fühlt und sich selbst anspornt, das vorherige Tagesziel zu übertreffen. Gerade die Untrainierten und Nicht-Wanderer profitieren hier, da diese ganz besondere Herausforderung auf sie wartet, Lethargie zu überwinden und die eigenen Grenzen zu erweitern!

Jakobsweg – Generell gilt:

Sie allein bestimmen die Wegstrecke nach Ihren körperlichen Voraussetzungen. Unsere Pilgerführer sind so konzipiert, dass entlang der Strecke immer genügend Alternativen vorhanden sind, die Tagesetappe auch in Bezug auf die Unterkünfte individuell zu planen. Die durchschnittliche Tagesleistung von guten Wanderern liegt bei etwa 25 Kilometern. Wohlgemerkt durchschnittlich. Es gibt Etappen mit relativ großen Steigungen, wo man naturgemäß weniger Strecke schafft, und natürlich die ebenen Etappen, die mehr an Tagesleistung ermöglichen. Übrigens gehen Läufer, die an einem Tag eine relativ große Strecke von 40 und mehr Kilometer zurücklegen, am nächsten Tag im Allgemeinen entsprechend weniger. Aber auch, wenn der Durchschnitt um 15 Kilometer oder weniger liegt, ist der Camino ein Gewinn für Körper und Geist. Man sollte sich von der Vorstellung freimachen, Höchstleistungen erbringen zu müssen. Planen Sie vorsichtig und alles andere kommt von selbst. Für jeden Wanderer ist es ein unglaublicher Triumph, am Ende in Santiago de Compostela  (Spanien) „einzupilgern“ und sein Ziel erreicht zu haben. Natürlich hilft es, eine mögliche Tagesleistung vorher realistisch einzuschätzen, damit man den Startpunkt genau definieren kann. Es ist nicht unbedingt notwendig und erforderlich, den Jakobsweg über die Gesamtdistanz von über 800 Kilometer zu gehen. Je nach Laufstärke und zur Verfügung stehender Zeit kann man seinen Startpunkt individuell festlegen. Manche starten in Irún, manche in Bilbao oder in Santander, manche legen nur die letzten 100 Kilometer zurück, die notwendig sind, um die Credencial zu erhalten.

Aber warum ist der Camino, ein alter Pilgerweg, überhaupt interessant? Andere Wanderrouten haben doch durchaus auch ihre Reize?

Dazu möchte ich aus eigener Erfahrung folgendes sagen: Es ist eine ganz und gar andere Sache, den Jakobsweg zu wandern, als eine andere, frei gewählte Route. Denn:

  • Alle Pilger, die man trifft, haben dasselbe Ziel, wenn auch unterschiedliche Motivationen. Dies erleichtert den Erfahrungsaustausch.
  • Man ist Teil eines großen Zuges Richtung Santiago de Compostela und das vermittelt das Gefühl der Zusammengehörigkeit.
  • Man möchte, egal ob christlich orientiert oder nicht, die Credencial de Peregrino als Beweis für die Pilgerschaft erhalten.
  • Es ist ein motivierender Faktor, täglich seine Wegstrecke anhand von vielen kleinen und bunten Stempeln im Pilgerausweis zu dokumentieren

Eine andere und nicht zu vernachlässigende Komponente neben der physischen Herausforderung ist zweifelsohne die psychologische Herausforderung.

„Gehe ich alleine oder in Gesellschaft?“

„Wie gehe ich mit der Einsamkeit um?“

„Kann mir auf dem Weg etwas passieren?“

Grundsätzlich gilt für den Jakobsweg:

Lassen Sie solchen Gedanken nicht zu viel Raum, sondern machen Sie sich auf den Jakobsweg! Es kann Ihnen nicht mehr oder weniger passieren, als bei einer Tageswanderung in Ihrem heimischen Umfeld. Spanien ist ein zivilisiertes Land, es gibt eine gute Infrastruktur und ein funktionierendes Gesundheitssystem. Wenn Sie unsere Anregungen beherzigen und sich für den Fall eines gesundheitlichen Engpasses einige spanische Begriffe einprägen, sind Sie fit für die Wandernung. Sie werden, wenn Sie allein pilgern, immer besser mit der zeitweiligen Einsamkeit umgehen können, die auf manchen Etappen durchaus auftreten kann. Gerade das ist einer der spannendsten Aspekte des Weges. Im Gegensatz zu anderen Caminos, speziell dem Jakobsweg Camino Francés, gibt es auf dem Küstenweg zahlreiche Etappen, wo Sie mit sich und der Natur allein sein werden. Viele nennen das Einsamkeit, wir nennen es „Zeit für Kontemplation„. Sie sind ein Mensch, der nicht gut allein sein kann? Perfekt, der Jakobsweg ist Ihre Therapie! Hegen Sie keine Erwartungen an den Weg, lassen Sie alles auf sich zukommen. Nachdem Sie mit Ihrem Körper gekämpft haben, werden Sie eine Art Gleichklang erleben – dieser Gleichklang wird am Ende des Weges von Stolz und Selbstvertrauen gekrönt. Sie werden danach im Alltagsleben gelassener und zufriedener sein. Sie werden Ihre Lebensziele neu definiert haben und mit einem anderen Selbstverständnis durch das Leben gehen. Lassen Sie sich auf diese Reise ein und seien Sie einfach fit für den Jakobsweg!

Der Jakobsweg ist gut für Sie!

Abschließend sei bemerkt, dass es für den Pilgerweg keiner spirituellen oder religiösen Veranlagung oder Ausrichtung bedarf. Eine Pilgerreise ist eine ganz eigene und vielleicht sogar egoistische Erfahrung. Der eine findet oder festigt dabei seine Nähe zu Gott, der andere entdeckt vielleicht doch seine Spiritualität und der dritte nutzt die Zeit für Kontemplation und Lebensplanung. Für die meisten Menschen ist die Pilgerwanderung letztlich jedoch eine Art Therapie, die greifbare Lösungen und Anregung, aber auch Veränderungen generiert.

Wohlgemerkt gilt dies ausschließlich für die „Eroberung des Caminos“ allein. Geht man in Gesellschaft, so wird es eine ganz normale Wanderung mit Fitnessfaktor.