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Nach zwei Wochen voller Arbeit und immer wieder Gedanken, Erinnerungen und Erzählungen über den langen Jakobsweg durch Portugals abwechslungsreiche Landschaft packt mich an meinem freien Wochenende wieder die Sehnsucht nach einer Wanderung auf alten Spuren.

Da ich das Glück habe, direkt an dem schweizerischen Jakobsweg von Rorschach über Einsiedeln nach Genf zu wohnen, wird das GPS am frühen Morgen mit den Daten geladen, ein kleiner Tagesrucksack gepackt, eine Thermoskanne mit heissem Tee darf bei der kühlen Witterung nicht fehlen, und es geht zu dem heutigen Ausgangspunkt, dem Marktplatz von Herisau. Nur wenige Autominuten von St. Gallen entfernt, beginnt dort die zweite Etappe. Zunächst erkunde ich das mir noch unbekannte Herz von Herisau: Alte, gut erhaltene Bürgerhäuser und Brunnen säumen den Weg hinab ins Tal und nun heisst es ersteinmal bergauf. Durch herbstliche Wälder, über noch sattgrüne Wiesen, vorbei an idyllischen Bauernhöfen und immer wieder mit Blick auf den tief verschneiten Alpstein geht es hinauf auf eine Anhöhe, wo der Blick auf das idyllisch gelegene Örtchen Schwellbrunn geht, welches als Vorlage für jede Miniaturlandschaft dienen könnte.

Weiter auf dem gut beschilderten Jakobsweg bergauf gelange ich nach knapp drei Stunden auf den Aussichtspunkt Sitz und dem höchsten Punkt meiner heutigen Wanderung. Begleitet von Schafen und immer wieder gut sichtbar angebrachten Muscheln als Wegweiser geht es bergab und wieder bergauf in die hübsche Ortschaft St. Peterzell, die mit einer alten Propstei und wunderschönen Appenzellerhäusern aufwartet. An den alten Häusern auf der kommenden Wegstrecke finden sich immer wieder Hinweise auf die alten Pilgerströme: Dienten doch viele der gut erhaltenen Appenzeller Häuser in früheren Zeiten als Pilgerherbergen. Bei jetzt strahlendem Sonnenschein mache ich mich auf den letzten langen Anstieg zum Reitenberg, nur unterbrochen von kurzen Teepausen.

Die Wanderung führt mich auf den gut 24 Kilometern und 1000 Höhenmetern über wenig begangene Wege, so dass ich mich in meine Wanderungen im Süden Portugals zurückversetzt fühle. Im Lichte der langsam hinter den Berggipfeln untergehenden Sonne mache ich mich nach fünf Stunden auf den Abstieg nach Watttwil, auf einer feuchten, steilen Wiese setzte ich mich noch einmal kräftig auf den Hosenboden und gelange mit müden Gliedern glücklich in Wattwil an, wo ich den Zug nach St. Gallen nehme. Sobald es geht werde ich mich wieder auf den Jakobsweg machen…..