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Nach einer langen Reise in den Alltag zurückzukehren ist immer schwierig, aber diesmal, nach dem langen Jakobsweg Camino Portugués durch ein wunderschönes Land, fühlt sich alles ganz anders an.

Der Tag in Santiago, mit all dem Trubel und den Menschenmassen gab nur wenig Raum um Ruhe zu finden, um die Gefühle zu verarbeiten, die in mir kreisten. So verbrachte ich den Tag mit einem ausgiebigen Bummel über den Wochenmarkt in den Markthallen, packte meinen Rucksack zum letzten Mal und genoss die endlich wieder scheinende Sonne in einem kleinen Cafe nahe beim Hotel. Am frühen Nachmittag brach ich dann in Richtung Bushaltestelle auf und wurde noch von einem anderen Pilger angesprochen. Er wollte wissen, wie ich Santiago empfunden habe und ich antwortete mit einem “es geht so”. Die Altstadt ist wunderschön, die Menschen trotz der Hektik des Betriebes sehr freundlich, aber es kommt keine festliche Stimmung auf, keine grosse Erleichterung, den Jakobsweg Camino Portugués geschafft zu haben. So war ich nicht traurig, um vier Uhr mein Flugzeug zu besteigen. Hier hatte ich Glück, das Flugzeug war nicht bis auf den letzten Platz belegt und so konnte ich die Landschaft von oben in vollen Zügen geniessen.

Beim Anflug auf den Züricher Flughafen lag das ganze Mittelland in tiefen Bodennebel gehüllt und nur die Höhen des Oberlandes tauchten aus der weissen Pracht in ein goldenes Licht gehüllt auf. In diesem Moment kam zum ersten Mal eine tiefe Ruhe und Zufriedenheit in mir auf: Ich hatte den Jakobsweg, den ich mit viel Respekt begonnen hatte, geschafft und die meisten Etappen auch sehr genossen. Die Tage mit mir und dem Pilgerweg hatten mir eine unglaubliche Entspannung, Entschleunigung und Ruhe beschert. Ich fühlte mich von den Strapazen des stressigen Alltags sehr erholt und war gespannt, wie ich die ersten Tage im Alltagstrott erleben würde.

Am Montag ging es dann wie üblich um sieben Uhr zur Arbeit und ich merkte, dass ich die Eindrücke des Weges noch eine Weile in und mit mir tragen würde. Vielen Kollegen berichtete ich von meinen Erlebnissen und merkte beim Erzählen, was es wirklich bedeutet hat. In den Nächten träumte ich noch viel von dem Weg oder einfach dem “Unterwegssein” und erkannte, dass ich mich in anstrengenden Zeiten auf meinen Weg begeben konnte und dort Kraft für die Anforderungen des Alltages holen kann. Je mehr Ruhe einkehrt, um so mehr erkenne ich die Kraft, die aus einer Reise zu Fuss durch ein unbekanntes Land erwachsen kann und bin froh, dass ich mich im September auf den Weg gemacht habe.